Dr. Sonja Kickmaier

Dr Sonja Kickmaier
Dr. Sonja Kickmaier
Wien, Österreich
Karl Landsteiner Institut für Traditionell Europäische Medizin

Klinische Studien – Stein der Weisen, Dilemma der heutigen Zeit?

Oder wie kommt die Therapie zum Menschen- oder sollte der Mensch zur Therapie?

Es ist ein grosses Unterfangen!

Das Opus Magnum, das Große Werk, ist ein Begriff aus der mittelalterlichen europäischen Alchemie, der sich auf die erfolgreiche Umwandlung des Ausgangsstoffes in Gold oder auf die Schaffung des Steins der Weisen bezieht. Alchemie ist dabei nicht nur eine praktische Disziplin im Sinne einer Metachemie; sie hat vielmehr auch eine philosophische Dimension.

Moderne Krebstherapien wirken gezielt auf Moleküle in der Zelle, die eine zentrale Rolle bei Karzinogenese und Tumorwachstum spielen. Sie unterscheiden sich in ihrem Wirkmechanismus von den Zytostatika. „Targets“ sind also das grosse Werk der Forschung.

Zwei Drittel jener Personen, bei denen heute eine Krebserkrankung diagnostiziert wird, werden mindestens fünf Jahre nach der Diagnose noch am Leben sein. Das Feld der personalisierten Krebstherapie zielt auf Therapien ab, die sich an den einzigartigen genetischen Merkmalen des Tumors orientieren. Änderungen von Versorgungsprozessen und Versorgungsstrukturen führen dazu, dass Medizin vor allem in spezialisierten Zentren unter Zugrundelegung von Leitlinien-gestützter Versorgung, Qualitätsmanagement und unter Anwendung von Disease – Management – Programmen und entsprechendem Krisenmanagement praktiziert wird. Vorrangiges Ziel der Zentralisierung soll eine Verbesserung der Versorgungsqualität bei gleichzeitiger Kostenreduktion sein.

–Und das ist das Crux der Zeit- wir sind in einem Dilemma.

Zum Weltkrebstag haben Experten prognostiziert, die „globale Krebsepidemie ist auf dem Vormarsch“. Nach Angaben von UICC erhalten derzeit jedes Jahr mehr als 12 Millionen Menschen weltweit die Diagnose Krebs, 7,6 Millionen sterben an einer Krebserkrankung. Die Tendenz ist steigend. Experten schätzen, dass im Jahr 2030 jährlich weltweit rund 26 Millionen Menschen an Krebs erkranken und 17 Millionen Menschen daran sterben werden.

Wir leben heute in einer Epoche, die zum Motto hat: noch schneller, noch höher, noch stärker, noch extremer.

Unsere Patienten aber versetzt die Diagnose eines Tumors –oder eines Rezidivs verständlicherweise- in eine emotionale Achterbahnfahrt. Mitten in der Talfahrt lebenswichtige Entscheidungen zu treffen ist schwierig genug, dennoch stellt sich ihnen gerade zu diesem Zeitpunkt auch die Frage der Teilnahme an einer klinischen Studie.

Insbesondere wichtig ist es dabei, die Patienten in Therapieentscheidungen mit einzubeziehen und damit die Compliance zu steigern. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass wir durch die intensive Aufklärung vor Beginn einer Studie, sowie durch die ständige Betreuung (Erhebung der Lebensqualität und der subjektiv –und objektiv empfundenen Beschwerden) während der Untersuchungsphase eine besondere Vertrauensstellung einnehmen. Besonders wichtig ist es, den Patienten klar zu machen, dass die Zeit in seiner Qualität etwas Unwiederbringliches ist – was heisst, dass es oft notwendig ist, den Patienten –in der Rezidiv Phase- Studien anzubieten, die vor allem der Verbesserung der Lebensqualität dienen. In der Palliativsituation, mit der wir hier nur allzu oft konfrontiert werden, sollte also in erster Linie die Lebensqualität ein entscheidender Maßstab zur Therapiebewertung sein.

Im Rahmen unserer Tätigkeit sollte es primäres Zielkriterium sein, in der klinischen Routineversorgung- neben dem Zielfaktor der längeren Überlebenszeit die Lebensqualität als die Möglichkeit anzusehen, die Betreuungsbedürfnisse unserer Patienten zu identifizieren, um dadurch eine patientenzentrierte Medizin realisieren zu können.

Eine weltweit transparente, standardisierte, internationale Forschungsstruktur ist DIE zukünftige Herausforderung, ob sich der Stein der Weisen allerdings jemals findet bleibt dahingestellt.

Klinische Prüfungen dabei als Schachspiel zu betrachten, ist ein Weg, an dessen Ende eine Entscheidung steht. Oberste Priorität hat dabei in jedem Fall eine Steigerung des Happy Planet Index, was zweifellos, heisst, die Therapiemöglichkeiten zu optimieren, ohne dass sich dadurch die Menschenwürde als ideologische Lehrformel erweist und der Wert des Menschen verloren geht.

Kontakt: Priv. Doz. Dr. Sonja Kickmaier
Karl Landsteiner Institut für Traditionell Europäische Medizin

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Paradigmenwechsel…

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